(nicht wundern, ich hab den Post schon früher geschrieben, aber einfach nicht die Kraft gehabt, ihn Online zu stellen ...)
10.03.2013
Ramon.
Bin ich ihm je schon mal begegnet?
Diesem 10 jährigen Jungen, der mich schon 2 mal bewusstlos geschlagen hat?
Er kommt mir so bekannt vor, wie jemand aus einem längst vergessenem Traum.
Jemand, den man kannte und doch aus irgendeinem Grund vergessen hat.
Er ist irgendwie süß.
Ich meine, schon klar, er ist 10, aber wenn man ihm zuschaut, wie er penibel Knoten um Knoten einen fesselt, wie er penibel seinen Dolch säubert.
Dann findet man ihn eben süß.
So wie man die kleine 3 jährige Schwester süß findet, während sie laut irgendetwas brüllend durch das Zimmer läuft oder grinsend versucht, einen Ball hinter ihrem Rücken zu verstecken.
Aber jetzt mal was ernsthaftes.
Denn auch wenn Ramon übels knuffig ist, so brauchte ich doch ziemlich lange, um ihn zu überzeugen.
Naja.
Ich wachte also auf.
Zum Glück hatte mir Ramon erspart, an den selben Felsen wie vor 2 Wochen (?) gefesselt zu werden, aber er konnte es sich nicht nehmen, mir trotzdem die Handgelenke auf den Rücken und die Füße aneinander zu binden-
Ich lag in einer recht unbequemen Position und versuchte mich erstmal mindestens 5 Minuten lang in eine aufrechte Position hochzuarbeiten. Irgendwie war ich zu stolz, den Jungen darum zu bitten ...
Aber irgendwann hatte ich es doch geschafft.
Ramon währenddessen schnitzte unbeteiligt an einem weißen Stück Holz herum.
Erst auf den zweiten Blick erkannte ich, das das kein Holz, sondern Knochen waren.
Und auf den dritten Blick erkannte ich, das es menschliche Knochen waren.
Was war das für ein 10 Jähriger?
"Wer ist der Meister, von dem du gesprochen hast?", fragte ich, während ich krampfhaft versuchte meinen Blick von seiner Schnitzarbeit abzuwenden.
"Mein Meister eben." Oh. Tolle Antwort o.O
"Und warum braucht er mich?", versuchte ich es.
"Das weiß ich nicht."
Was für ein braver Diener.
"Warum warten wir hier?", dritter Versuch.
"Weil der Meister erst noch mit dem Verräter fertig werden will, bevor er zur Zeremonie schreitet und das Lamm zum Opferaltar führt."
Lamm? Altar? Zeremonie???
Ich verstand gar nichts.
Aber eins war mir klar. Wer der Verräter war.
"Was macht er mit Lirion?", wollte ich wissen.
"Ich weiß es nicht."
"Ach verdammt noch mal, das kann doch wohl kaum die Wahrheit sein! Du bist ein intelligenter 10 Jähriger Junge und ein treuer Diener, du musst doch irgendetwas wissen!"
Ramon sah zu Boden. Ich hatte seinen wunden Punkt getroffen.
"Entweder vertraut er dir nicht genug oder du bist für ihn nicht so wichtig, nicht wahr?", ich tat so, als wäre ich mitfühlend, aber es war nicht nur Show. Der Kleine tat mir wirklich Leid.
Er schwieg.
Hätte ich auch getan, hätte jemand Lirion in Frage gestellt.
Lirion! Er war in Gefahr!
Hastig sah ich mich nach etwas um, das die Schnüre hätte durchschneiden können. Ein spitzer Stein oder ein Felsenvorsprung vielleicht.
Meine Finger fanden ein scharfes Stück abgesplitterten Steines. Langsam begann ich die Fesseln durchzuschaben. Es dauerte nicht lange, da waren die Schnüre so weit locker, das ich sie ohne Probleme hätte losreißen können.
Ich sah zu Ramon. Er hatte es anscheinend noch nicht bemerkt.
Mit einer schnellen Bewegung sprang ich auf, riss mich los und wollte nach ihm schlagen, doch er hob den Arm und fing den meinen ab.
Erschrocken sprang ich wieder zurück.
"Du hättest dich nicht wehren sollen.", meinte er kalt und schnippte mit dem Finger.
Irgendetwas passierte mit dem Alani, also dem Smaragd in meinem Handgelenk. Er fing an, in einem roten Licht zu pulsieren.
Nicht grün. Sonderm rot.
Und dann fiel ich auf den Boden und konnte mich nicht mehr rühren.
Ramon fesselte mich erneut und band mich an den Felsen. An den Felsen.
Irgendwie fand ich den Jungen dann gar nicht mehr süß.
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