Freitag, 8. Februar 2013

A little bit Action

Ich schreibe diesen Post aus dem Verlies des Magicons.
Natürlich kommt jetzt erstmal die Frage auf, wie ich überhaupt dahin gekommen. Das ist eine etwas längere Geschichte, aber da ich hier ja 'ne Menge Zeit habe, kann ich sie ohne irgendetwas auszulassen erzählen^^
Ach ja, der Post kommt erst so spät, weil Julius 'ne Weile gebraucht hat, bis er mein Handy so modifiziert hatte, das ich von hier aus Internet hab. Er glaubt, ich muss 'ne Email schreiben. Er weiß nichts von dem Blog.
Also, es gibt heute leider (ok, scherz :P) nichts schulisches, ich wurde nämlich schon auf dem Schulweg von Lukas ins Gebüsch gezerrt. Bevor ich mich aufregen konnte, lag seine Hand auf meinem Mund. Er musste nichts sagen, ich wusste, was los war.
Das Magicon brauchte uns.
Und da konte es keine Rücksicht auf so etwas nichtiges wie Schule nehmen.
Ich nickte und Lukas senkte seine Hand.
"Ich hole Julius. Du Daniel.", befahl ich flüsternd.
Mein Partner und Freund nickte und war verschwunden.
Julius fand ich schnell, er stand im Foyer unserer Schule und wartete auf Lisa. Ich zog ihn hinter eine der Säulen.
"Wir haben einen Job.", teilte ich ihm mit. Er runzelte die Stirn. "Jetzt?", fragte er verwirrt.
"Ja. Jetzt!"
"Aber ...", er blickte zurück ins Foyer. Seine Freundin kam gerade herein und sah sich suchend nach ihm um.
"Du kannst nicht zu ihr! Das weißt du. Julius! Komm endlich!", ich drehte mich zum Hinterausgang. Julius schluckte hart. Dann folgte er mir.
Den Weg in die Stadt werde ich jetzt nicht beschreiben, im Laden war das Portal schon weit offen.
Im Atrium des Magicons ist ein Brunnen, wisst ihr? In der Mitte gibt es Statuen, eine jede repräsentiert eine der hohen Rasse: Menschen, Vampire, Dämonen, Geister, Tierwesen.
Sie stehen für das friedvolle Zusammenleben, das wir ihm Magicon nach besten Kräften schützen.
An diesem Brunnen lehnte Lukas zusammen mit Daniel, als ich mit Julius ankam.
"Was gibts?", wollte ich wissen.
"Jemand ist aus dem Verlies entkommen.", informierte Lukas uns.
"Jemand ... ?"
Mein Freund zögerte.
"Lukas! Ich muss es wissen!"
"Ein Vampir.", seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern: "Callie ist aus dem Verlies entkommen."
Meine Augen weiteten sich vor Entsetzen. Callie? Meine beste Freundin ... die zu einem Vampir geworden ist.
Vor vielleicht 3 Wochen bekam meine Gruppe eine ähnliche Aufgabe. Ein Vampir war entkommen, und wir sollten ihn wieder einfangen. Julius war dann noch gar nicht dabei.
Wir gingen also in den Keller des Magicons. Hier sind die Verliese.
Normalerweise meide ich diese Ecke. Es erinnert mich an meinen richtigen Vater, der irgendwann einmal unter der Last seiner Aufgabe als M-Agent zusammengebrochen ist und im Magicon sein Unwesen getrieben hat. Lirion hat ihn zwar eingefangen und Dad bekommt die beste medizinische Pflege, die es in unserer magischen Welt gibt, doch ... irgendwann habe ich das Vertrauen verloren, das er wieder normal werden kann.
Manchmal erkennt er mich nicht einmal, wenn ich ihn besuchen komme! An meine Mum erinnert er sich gar nicht mehr ...
Nun ja, die Kellergewölbe des Magicons sind speziell geschützt, so dass Vampire und andere Gefangene nicht fliehen können, selbst wenn sie aus ihren Zellen entkommen.
Der Vampir, den wir dann jagen sollten, war einer der sogenannten Bloodhunter. Er hatte so viel Blut von so vielen verschiedenen mächtigen Vampiren getrunken, das er dadurch zu annähernd allmächtiger Kraft gekommen war. Zu der Kraft, Menschen in Vampire zu verwandeln. Normale Wesen der Nacht sind nicht einmal annähernd so stark!
In den Kellergewölben angekommen, trennten wir uns, ich ging mit Lukas und Daniel mit Callie. Wir waren noch nicht lange gegangen, dann hörten wir einen Schrei. Lukas und ich rannten zurück, und da lag Daniel blutüberströmt auf dem Boden. Von Callie keine Spur.
Ich ließ meinen Freund bei Daniel zurück und machte mich auf die Suche nach dem Vampir. In diesem Moment dachte ich nicht an Callie, ich vertraute darauf, das sie sich selber verteidigen konnte.
Da hatte ich mich wohl leider geirrt.
Im tiefsten Gewölbe stieß ich dann auf den toten Vampir.
Sein Genick war geradezu brutal gebrochen, sein Hals brutal zerbissen, sein Bauch aufgeschlitzt.
Ich ließ meinen Blick weiter durch den Raum schweifen und was ich sah, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Im wahrsten Sinne des Wortes.
Überall an den Wänden hingen Blut und andere ... Dinge aus dem Bauch ... des Vampirs.
Bei dem Anblick musste ich brechen.
Und in einer der Ecken saß Callie, die weißen Kleider blutbefleckt. In ihrer Hand hielt sie das kalte Herz des Vampirs. Als sie mich bemerkte, starrte sie mich mit ihren dunklen Augen an. Ich entdeckte keine Wärme mehr darin, nur noch Kälte ...
"Callie!", rief ich. Sie reagierte nicht. Sie würde nie wieder auf diesen Namen reagieren. Sie war ein Wesen der Nacht und da sie das Blut des am Boden liegenden Vampirs getrunken hatte, hatte sie auch seine Fähigkeiten.
Plötzlich hörte ich Schritte hinter mir und fuhr herum.
Keuchend und etwas außer Atem kamen Lirion und Lukas neben mir zum Stehen.
"Daniel ist in Sicherheit.", teilte mein Chef mir mit, während Lukas seine Augen nicht von dem schrecklichen Kunstwerk vor ihm abwenden kann.
"Wer ...?", wollte Lirion wissen, doch dann sah er Callie.
"Holt sie euch.", befahl er kalt. Die Schatten, die von den dunklen Säulen des Gewölbes geworfen wurden, erhoben sich vom Boden und flogen auf die Vampirin zu. Sie schlug danach, ganz wie ein wildes Tier.
Doch gegen Lirion hatte sie trotz allem keine Chance.
Die Schatten hielten sie fest und trugen sie durch die Luft vor meinen Chef.
"Caela Müller, ich verurteile dich nach dem Gesetz des Magicons! Quas eieci te! Omnia saecula ..." Ich wusste, was er vorhatte. Er wollte sie bannen, so dass sie nie wieder das Verlies verlassen konnte. Doch sie war meine beste Freundin! Das konnte ich nicht erlauben! Ich stellte mich vor Lirion und unterbrach den Augenkontakt und damit auch den Bannspruch.
"Elea, geh aus dem Weg!", befahl er mir.
"Niemals! Vampire können geheilt werden! Vor allem menschliche Vampire können im Einklang mit uns leben und uns sogar helfen, das predigst du doch jeden Tag! Sie könnte lernen, ihren Blutdurst unter Kontrolle zu halten!"
"Elea, sieh dich um. Sie hat schon zu viel Blut gekostet, als das sie noch darauf verzichten kann. Und außerdem ... einen Vampir mit solchen Fähigkeiten darf ich nicht frei rumstromern lassen!" Er wollte mich zur Seite stoßen, doch in diesem Moment sprang Callie nach vorne und ergriff mich.
"Lasst mich frei und ich lasse dieses Mädchen vielleicht gehen!", befahl sie. Befahl sie mit der selben Stimme, mit der sie mich früher getröstet hatte.
"Callie ...", wimmerte ich.
"Lass. Sie. Los!", Lukas war kurz vorm Ausrasten.
"Niemals! Erst will ich hier raus!", fauchte Callie.
"Du weißt, das wir das nicht erlauben können! Also lass deine Freundin los und ergib dich!"
"Nein!", sie senkten ihren Kopf und entbößte ihre Reißzähne.
In diesem Moment wusste ich, was ich tun musste.
Ich schloss meine Augen, erinnerte mich.
Die Zähne kamen näher. Ich spürte ihre Spitzen schon auf meiner Haut, da schrie ich: "Quas eieci te! Omnia saecula saeculorum!"
Callie wurde nach hinten geschleudert. Ich brach bewusstlos zusammen.
Was danach passierte, weiß ich nur aus Lukas' Erzählungen. Nachdem sie von mir gebannt war, hatte meine Freundin recht schnell aufgegeben und wurde in eines der bereitgestellten Verliese gebracht.
Unser heutiger Besuch in den Kellergewölben weckte nun genau diese unangenehmen Erinnerungen. Ich sah zu Lukas und sah in seinem Gesicht die selben Gedanken, die auch mir durch den Kopf geisterten.
"Wir müssen erneut gegen Callie kämpfen.", seine Stimme war voller Trauer.
"Erneut? Aber ..." "Julius, das verstehst du nicht. Sei ... bitte einfach nur still, okay?", unterbrach ich ihn. Ich wollte nicht darüber reden.
Zusammen gingen wir weiter hinein, dunkle Schatten krochen aus den Kellergewölben, doch keiner der hier herumgeisternden Vampire wagte es, uns anzugreifen, schließlich beschützten wir sie vor der Wut der Außenwelt. Vor den Menschen, die aus Furcht vor diesen Monstern zu jeder Schandtat fähig waren.
Callies Verlies lag in der Kerkeranlage im untersten Teil des Magicons, und auch wenn sie nicht mehr dort war, vielleicht könnten wir dort einige Hinweise finden, also machten wir uns auf den Weg.
"Endlich seid ihr da.", der Agent vom Dienst öffnete erleichtert die Tür zur Anlage und reichte mir die Hand. Ich ignorierte diese Geste und ging an ihm vorbei ins Innere.
"Zeigen Sie uns bitte die Zelle der entflohenen Vampirin.", verlangte ich. Der Agent nickte und watschelte voraus. Wir folgten ihm.
"Hey.", Lukas beschleunigte seine Schritte und schloss zu mir auf: "Versuch doch ein wenig freundlicher zu sein, okay?" Ich stieß ihn gegen die Wand. Erschrocken blieb unser Führer stehen.
"Callie war meine beste Freundin! Meine einzige beste Freundin!", zischte ich wütend: "Ich werde ganz bestimmt nicht freundlich sein!" Ich ließ ihn los. Der Junge rieb sich den Hals.
"Los! Wir wollen heute noch ankommen!", fauchte ich den Agent vom Dienst an, der so erschrocken loslief, das er dabei fast über seine eigenen Füße stolperte.
Okay, vielleicht war das etwas übertrieben. Aber dieser Ort ... ich hatte alle Erinnerungen an Callie in einen weit entfernten Winkel meines Geistes verbannt, und jetzt kamen sie wieder hoch. Es waren keine angenehmen Erinnerungen.
"Hier ist es.", meinte der Agent nach einer Weile.
Zögernd betrat ich die Zelle, in der Callie die letzten 3 Wochen verbracht hatte. Das einzige Bett war penibel gemacht, die wenigen Bücher in einer Reihe im Regal geordnet. Ein wackeliger Hocker stand an einem leeren  kleinen Tischchen.
Ich strich über die Bettdecke.
Callie ...
Plötzlich knallte etwas hinter uns. Ich fuhr herum.
Wie konnte man nur so blöd sein???
Der älteste Trick der Welt!
Während wir in die Zelle gegangen waren, hatte der Agent die Schlüssel geholt und uns eingesperrt.
Der einzige, der noch draußen war, war Lukas, und den schlug er bewusstlos.
"Lukas!", schrie ich.
"Wenn ihr wollt, das euer Freund lebt, dann geht ihr jetzt schön brav an die hintere Wand und stört mich nicht, verstanden?!", befahl der Agent. Ich nickte mit trockener Kehle.
Er warf Lukas in die Zelle und warf die Zellentür ins Schloss.
Dann ging er.
Es war zu spät.
Zu spät um uns noch zu befreien.
Wir waren in einem der Vampirverliese des Magicons, der sichersten Einrichtung der Welt.
Keine Chance auf Rettung.
Gefangen ...

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