Samstag, 9. Februar 2013

Schrecklicher Geburtstag

Der heutige Tag sollte mein schlimmster Geburtstag seit langem werden, das war mir schon klar, als ich aufwachte und immer noch eingeschlossen unter der Erde war.
Irgendwie hatte mein Körper sich schon an das Leben unter der Erde gewöhnt.
Er meckerte nicht einmal, als ich in der Dunkelheit aufwachte.
Tja, gestern Abend haben wir entschieden, das Lukas in dem einzigen Bett schlafen soll, da er verletzt ist, aber anscheinend ist er irgendwann in der Nacht aufgewacht und hat mich ins Bett gelegt. Auch wenn ich eigentlich sauer sein sollte, weil er so seine Gesundheit beeinträchtigt, bin ich es nicht. Vom auf dem Boden liegen kriege ich immer schrecklicher Rückenschmerzen ...
Nun ja, ich glaube ja, das Daniel überhaupt nicht geschlafen hat, der saß nämlich die gesamte Nacht über an die Wand gelehnt und ließ den Eingang nicht aus den Augen.
Von Julius kann ich nichts sagen, ich bin eingeschlafen bevor er es gemacht hat. Die Angst und Panik hat mich total KO gemacht. Geträumt habe ich aber nicht.
Tja, dann begann unser zweiter Tag eingeschlossen im Vampirverlies.
Zuerst saßen wir wieder rum, stundenlang. Irgendwann began Lukas Kraftübungen zu machen und Runden zu laufen, während Daniel einfach nur unbeweglich an seiner Wand saß.
Julius tippte emsig auf seinem iPod rum. Wollte er so Hilfe holen? Aber Lirion sah nie in sein EmailPostfach oder sonstige Internetportale. Er wollte generell mit dieser "neuen" Erfindung" so wenig wie möglich zu tun haben. Von wegen "neu" ...
Tja, irgendwann gab dann Lukas die Übungen auf und ließ sich neben mich fallen. Ich lehnte mich an ihn. Zusammen war das alles nur halb so schlimm.
Traurig sah Julius zu uns rüber. Dachte er an Lisa? Wahrscheinlich.
Plötzlich wurde die Zellentür so brutal aufgestoßen, das sie an die Wand gegenüber knallte. Lukas und ich fuhren auseinander, als das Stück Metall auf uns zusauste.
Erschrocken sah ich zum Eingang.
Dort stand Callie.
Wir starrten uns gegenseitig an. Daniel, Lukas, ich, Callie.
Wir. Vier.
Erinnerung. Vor 2 Jahren.
"Warte!", Callie läuft mir hinterher. Grinsend beschleunige ich. 
Lukas steht in der Mitte der Wiese. Ich werfe ihn um, lachend fällt Callie auf mich drauf. 
Daniel sitzt daneben und ich ziehe ihn mit an uns ran. 
Wir alle lachen. 
"Wir vier.", beginne ich. Zusammen vervollständigen wir es: "Zusammen. Für Immer."
Meine Unterlippe zitterte.
Niemals habe ich daran geglaubt, das uns je irgendwas trennen würde. Für einen kurzen Moment hasste ich Julius. Nicht, weil ich ihn nicht mag, sondern einfach weil er den Platz einnimmt, der eigentlich Callie gehört.
"Callie ...", hauchte ich.
Sie legte den Kopf schief und kam langsam auf mich zu.
Lukas sprang vor mich.
"Lass sie in Ruhe!", befahl er.
Callie runzelte die Stirn. Schatten krochen aus den Ecken, umfassten seine Handgelenke, zogen ihn weg. "Lukas ...", entsetzt weiteten sich meine Augen und ich sah zu meiner besten Freundin herauf, die nun vor mir kniete. Ich schluckte hart.
Sie kam näher. Krampfhaft presste ich mich gegen die Wand.
Dann umarmte sie mich. Ich versteifte mich.
"Anna ...", hauchte sie: "Alles Gute zum Geburtstag."
Ich entspannte mich, erwiderte die Umarmung.
"Callie.", murmelte ich glücklich.
"Hast du den Blutdurst unter Kontrolle bekommen?", wollte Daniel wissen.
Meine Freundin löste sich von mir und nickte.
"Es hat eine Weile gedauert, aber dann hats funktioniert.", erklärte sie.
"Warum hat dann dieser Wärter uns eingesperrt?", fragte Lukas und rieb sich die Handgelenke.
"Er ... ist der Knecht eines anderen Vampirs.", sie wandte sich zu mir: "Elea, du musst mir helfen! Hier unten tobt ein Krieg zwischen den Vampiren und dabei leiden auch die menschlichen Wächter!"
"Was sagst du?", Daniel sprang auf.
"Hier unten tobt ein Krieg zwischen den Vampiren...", wiederholte Callie: "Und ich bin mir nicht sicher, wie lange er noch auf das Kellergewölbe beschränkt sein wird!!!"
"Okay, und was können wir da machen? Wir sind nur eine Einheit! Vielleicht sollten wir Lirion informieren ...", schlug Lukas vor.
Callie schüttelte heftig ihren Kopf. "Wenn Lirion eingeschaltet wird, dann gibt es nur Probleme! Er wird den Schutz des Gewölbes für allmächtig halten und ..." "Der Schutz des Vampirgewölbes ist allmächtig!!!", unterbrach Julius.
"Wer ist das?", wollte Callie wissen.
"Dein ... Ersatz ...", antwortete ich zögernd.
"Mein ... WAS?", wütend fuhr die Vampirin herum. In ihren Augen blitzte es rot auf.
Erschrocken wich Julius an die Wand zurück.
"Callie?", flüsterte ich, darauf bedacht, sie nicht noch wütender zu machen, als sie jetzt war.
Daniels Hand wanderte langsam an den Griff seines Dolches.
Meine Freundin ging auf meinen Partner zu. Als sie vor ihm stand, legte sie ihm die Hand an die Kehle.
"Callie...", wimmerte ich.
Julius bekam keine Luft mehr. Verzweifelt versuchte er sich gegen den Griff zu wehren, doch die Kräfte, die das Blut einer Vampirin verleiht, kann niemand besiegen. 
Doch Callie atmete durch und löste den Griff.
"Tut mir Leid.", sie schluckte: "Manchmal kann ich es nicht beherrschen. Dann bricht es durch."
"Was?", ich trat auf sie zu: "Was kannst du nicht beherrschen?"
"Den Vampir.", peinlich berührt sah sie zu Boden. Dann richtete sie sich auf.
"Ich zeig euch, wo ihr schlafen könnt.", sie ging zum Eingang/Ausgang.
Daniel nickte und folgte ihr, ließ die Hand aber nicht vom Dolch. Julius ihm hinterher, rieb sich aber mit einer Hand noch den Hals. Er hatte sich noch immer nicht von dem Schock erholt. Lukas kam danach und als letztes ich.
Ich schaute über die Schulter zurück, als wir unser Gefängnis verließen.
Unser zweites Quartier war nicht weit entfernt, aber es war sehr viel komfortabler und hatte statt einem 4 Betten. Und außerdem ist hier das WLAN sehr viel besser. Ich bin zwar dankbar, das Julius das Internet überhaupt zum Laufen gebracht hat, aber es schreibt sich einfach angenehmer, wenn man nicht 5 Minuten auf den eigenen Blog warten muss ...
Okay, das wars für heute.
Immer noch kein Entkommen aus diesem verdammten Gewölbe.
Der Geburtstag war ja ein richtiger Reinfall. -.-

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