Sonntag, 10. Februar 2013

Der Vampir-Krieg

Vorneweg muss ich sagen: Nein, wir sind heute nicht aus dem Gewölbe rausgekommen. Und ich sitze an einem verdammten Überwachungssee und bin gefesselt. Zum Glück kann ich mit einer Hand Blog schreiben, sonst würde ich durchdrehen ...
Nachdem wir gestern in unsere Betten gefallen sind, lag ich noch eine Weile lang wach. Habe nachgedacht. Über Callie. Über die Vampire. Über die Kellergewölbe. Über den Krieg?
Stimmte das, was meine beste Freundin sagte?
Wurden die Vampirgewölbe wirklich so schlecht überwacht, das sich hier ein Krieg, nein eine Fehde zwischen den verfeindeten Vampiren ausbilden konnte? War Lirion so unaufmerksam?
Ich konnte das irgendwie nicht glauben. Wollte es nicht.
Denn das bedeutete, das nicht nur die Wächter der Gewölbe in Gefahr waren sondern alle Menschen, egal ob Mitglieder eines Magicons oder nicht. Egal ob eingeweiht in die Geheimnisse oder nicht.
Wenn so etwas hier unter dem Magicon passieren konnte, ohne das wir was mitbekommen - wo kann es dann noch passieren?
Irgendwann bin ich dann aber doch noch eingeschlafen.
Am nächsten Morgen - oder war es schon Nachmittag, ich hatte in dieser ewigen Dunkelheit alles Zeitgefühl verloren - gab es sogar etwas zu essen. Ich rührte es nicht an, weil es aussah, wie gebratene Ratte. ich glaub das war es auch ...
Tja, Lukas und Daniel  hatten da keine Beklemmungen. 
Bei Julius bin ich mir nicht sicher, der kam nämlich erst aus unserem Zimmer, als wir fertig waren. 
Callie führte uns sofort danach zum Vampirrat. Zumindest nannte sie es so, auch wenn ich nicht wirklich glauben konnte, das solche blutdürstigen Wesen wie Vampire eine wirkliche Regierung bilden konnte. Laut der Ausbildung des Magicons regierte hier eiskalt das Gesetz des Stärkeren. 
Tja, da hatten sich die Wissenschaftler wohl gehörig geirrt. 
Der Rat bestand aus 5 Personen und war ordnungsmäßig gewählt. 
Er lag mitten in einer belebten Vampirstadt. 
"Ihr seid die Einheit des Magicons, von der Caela erzählt hat?", wollte einer der Mitglieder wissen. 
Ich trat vor und nickte: "Mein Name ist Elea. Das sind Lican, Archer und Kiryan." 
(Kommentar von mir: Daniel ist Lican, Julius ist Archer und Lukas Kiryan. Aber unsere richtigen Namen wollte ich vor dem Rat der Vampire nicht verwenden) 
Ein Raunen ging durch die Vampire. Waren wir so bekannt? 
"Willkommen, Elea. Wir haben schon viel von dir gehört!", der Vampir, der sprach verbeugte sich. Die anderen taten es ihm gleich. 
Unangenehm berührt murmelte ich so etwas wie: "Das ist doch nicht nötig."
Als das Ratsmitglied vor mir sich wieder erhob, sah ich in seinen Augen etwas, das mir Angst machte. Doch ich konnte es einfach nicht identifizieren ...
"Was sollen wir hier?", wollte ich wissen. 
Der Rat trat zur Seite. Hinter ihnen an der Wand war in roter Schrift die Buchstaben "IHMV. DWIS. ARIAN."
Ich schluckte. Julius trat an mich heran und flüsterte: "Was bedeutet das?"
"Das ist die Nachricht ...", keuchte ich: "Die Orlain an das Magicon geschickt hatte, bevor er den 130jährigen Krieg begann. Es lautet: Ihr habt mich verraten. Dafür werdet ihr sterben. Aber was das letzte bedeutet, weiß ich nicht."
"Es ist ein Name.", Callie strich über die roten Buchstaben. 
"Nein, das kann nicht sein! Er ist schon seit Ewigkeiten tot!", widersprach ich. 
"Dachten wir ...", meinte Lukas düster. Ich fuhr zu ihm herum. 
"Was willst du damit sagen?", schrie ich. 
"Lirion hatte schon seit längerem die Vermutung, das er entkommen ist und sich in den Kellergewölben versteckt."
"Aber warum hat er mir nichts gesagt?"
"Du hattest genug Probleme mit Callie, er wollte dich nicht belasten, bevor er sich sicher war." 
Ich schluckte. 
"Worum geht es? Wer hat das geschrieben?", Julius verstand nicht. 
"Das ist die Nachricht von Arian, dem Bruder von Aria.", ich sah zu den riesigen Buchstaben hinauf: "Er will Rache üben für die Fesseln, die seine Schwester der Gesellschaft der Vampire angelegt hat..."
Vor langer Zeit gab es auf unserer Welt keine Magicons und magische und nichtmagische Wesen lebten nebeneinander. Wann immer ein Vampir oder ein Dämon Hunger hatten, rissen sie Menschen. Niemand konnte sich ihnen entgegensetzen. 
Also schlossen 3 magische und 3 nichtmagische Wesen einen Pakt. Vampire und andere Wesen der Nacht durften weiter exestieren, aber im Geheimnen. 
Das war das Gesetz des Magicons. 
Aria gehörte zu den magischen Wesen. Ihr Bruder hatte ihr seit dieser Zeit nicht verziehen. 
Auch wenn sie schon längst tot war, Arian lebte noch und sinnte nach Rache. An dem Magicon. Und vor allem an den Nachfahren der Vampire, die ihn damals verraten hatten und sich dem Pakt angeschlossen hatten. 
"Aber gegen Arian haben wir nicht den Hauch einer Chance! Er ist ein jahrtausende alter Vampir!", warf Daniel ein. 
"Dann wollt ihr also, das er diese Welt, die wir kennen, einfach in Schutt und Asche legt?!", fuhr Callie ihn an. 
"Ich bin einfach nur der Meinung, das wir vier, egal wie berühmt oder bekannt wir sind, keine Chance gegen Arian haben! Wir würden es nur noch schlimmer machen!", fauchte Daniel zurück. 
"Leute, Klappe.", befahl ich. Die beiden verstummten. 
"Ich verstehe Eure Besorgnis, doch ich sehe nicht ein, warum nur wir das wissen dürfen und nicht das Magicon! Wie Lican gesagt hat, wir werden wohl kaum eine nennenswerte Chance gegen Arian haben, selbst wenn er noch nicht alle seine Kräfte erlangt hat!", erklärte ich. 
"Das ist nicht richtig, oder? Du besitzt etwas, was selbst dem großen Arian gefährlich werden kann, nicht wahr?", der Vampir kam mir dabei so nah, das es mir richtig unangenehm wurde. 
Unwillkürlich fasste ich mir an den Hals. Das Amulett, das mir meine Mutter vor ihrem Tod gegeben hatte, materialisierte sich sofort in meiner Hand. Es strahlte eine beruhigende Wärme ab. 
Lukas ging zwischen mich und den Vampir. "Lass sie in Ruhe.", zischte er wütend. 
"Kiryan, nicht wahr?", der Mann lächelte: "Dann bist du also der Freund der berühmten Elea. Wie ist es so, im Schatten eines Mädchens zu leben, hm?"
"Ich komm damit zurecht.", fauchte Lukas. 
Ich schob meinen Freund zur Seite. "Schon Okay.", murmelte ich.
"Ich habe nicht vor, es jetzt zu verwenden.", erklärte ich: "Und jetzt würde ich gerne gehen und ich glaube, meinen Leuten geht es genauso. Ihr werdet uns nicht aufhalten."
Der Vampir nickte mit einem kühlen Lächeln auf der Lippe. 
Ich drehte mich auf dem Absatz um und verließ den Raum mit klopfendem Herzen. 
Draußen lehnte ich mich erschöpft gegen die Wand. 
Ich hasse Disskussionen mit Vampiren. Mit ihrer unheimlichen Aura nebeln sie deinen Geist ein, so dass du nicht mehr ordentlich denken kannst und dann flößen sie dir unauffällig ihre Gedanken ein. 
Gruselig. 
Das ist das Wort, was die am besten beschreibt. 
Sie sind gruselig. 
Plötzlich hörte ich ein Geräusch hinter der nächsten Ecke und fuhr herum. 
Ein kleines Mädchen, es sah aus wie 5, kam hervor, warf sich mir in den Arm. 
Ich zuckte zusammen. Es war eiskalt. 
Sie war eine Vampirin. 
"O-nii-sama ist ganz doll krank und O-kaa-San hat gesagt, das du ihm helfen kannst!", weinte sie. 
Krampfhaft versuchte ich mich an meine minimalen Japanisch-Kentnisse zu erinnern. O-kaa-san heißt Mami und O-nii-sama ... Bruder. 
"Aber wie kann ich deinem Bruder helfen, Ko-chan?", fragte ich sie sanft. Ko bedeutet Kleines, ich finde, es passte ganz gut zu ihr. 
"Er braucht das Blut eines Menschen. Und du bist doch ein lieber Mensch, kannst du ihm nicht ein wenig Blut geben? Bitte!", sie schluchzte. 
Ich hatte mir irgendwann geschworen, niemanden je mein Blut wieder zu geben. Doch wenn Ko-chan so lieb fragte ... ich kann einem kleinen Mädchen nichts abschlagen, vor allem nicht, wenn es weint. 
"Okay, ich schau mir deinen Bruder mal an, ja?", ich reichte ihr meine Hand: "Führ mich zu deinem O-nii-sama, ja?" Das Mädchen nickte glücklich, wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und zog mich ihr hinterher. 
Ihr Bruder lag in einer kleinen Hütte am Rande der Stadt. An seinem Bett stand nur seine Mutter. 
"Hana-chan!", rief sie erfreut, als sie meine kleine Führerin sah. Dann erblickte sie mich, richtete sich auf und meinte höflich: "Elea-sama! Danke, das Ihr gekommen seid."
"Wie geht es ihm?", wollte ich wissen und betrat die Hütte. In mir schrieen alle Alarmglocken, doch ich ignorierte sie. 
"Es ist schlimmer geworden."
"Darf ich ...?", fragte ich. Die Frau nickte und ich trat an das Bett des Vampirs heran. 
Der Junge war wunderschön. 
Ich schlug die Bettdecke zurück. An der Seite des Jungen klaffte eine riesige Wunde. Sie sah entzündet aus. 
Das war keine normale Wunde! Ich fuhr zurück. Deswegen konnte der Vampir sich nicht selbst heilen! 
Vampirwaffen, sogenannte Hunterwaffen, sind so geschmiedet, das sie sogar Vampire töten können. Und das war ganz eindeutig die Wunde einer solchen Waffe.
"Wie ... ist das passiert?", wollte ich wissen. 
"Er hat ... er wollte doch nur ... er ist ein so kleiner Junge ... er ...", stammelte die Mutter. 
"Was ist passiert?"
"O-nii-sama wollte nur ein wenig essen holen. Da haben die Wächter ihn gefangen!", murmelte Ko-Chan.  
Ich nicke. Davon hatte ich schon gehört. 
Ich hatte mir aber nie vorgestellt, das es so schlimm sein kann. 
Langsam griff ich zu dem Dolch in meinem Gürtel. Ich könnte diesen Jungen retten. 
Ich kenne ihn nicht und ich kann Vampire nicht leiden. Warum also? Ich weiß es nicht. Vielleicht, um mein Gewissen zu beruhigen. Vielleicht, weil der Junge mir gefällt. Vielleicht gibt es auch einen tieferen Grund. 
Der Dolch durchschnitt meine Handfläche. Blut tropfte auf die weiße Haut des Jungen. 
Ich sah zum  Fenster und erblickte Callie. Nur wenige Augenblicke, dann war sie verschwunden. 
Doch ich hatte etwas gesehen. 
Bissspuren. 
An Callies Hals. 
In diesem Augenblick wurde mir alles klar. 
Warum Callie gelogen hatte. 
Warum der Rat uns hergeholt hatte. 
Warum dieser Junge verletzt worden war. 
Doch es war zu spät. 
Irgendetwas hartes traf meinen Hinterkopf und ich brach bewusstlos zusammen. 

Als ich wieder aufwachte, war ich in der Situation, die ich am Anfang beschrieben hatte. 
Am Rande eines Überwachungssees und gefesselt. 
Mein Kopf tut höllisch weh. 

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