Montag, 18. Februar 2013

Der Vampirfürst

Ich lebe noch.
Ich weiß, das ist klar, weil dieser Post hier steht und weil Anna schon wieder so einen ewig langen Text geschrieben hat, aber mir kommt es immer noch komisch vor.
Den gestrigen Eintrag habe ich mich den Worten "Wünscht mir Glück. Wir werden es brauchen." beendet.
Naja, das haben anscheinend nicht so viele gemacht, denn was heute passiert ist, ist geradezu furchtbar! Ich kann es selbst noch kaum glauben! Das Lukas ...
Nein! Stop!
Ich erzähl es euch von Anfang an, okay?
Also, wir standen alle im Atrium.
Ich, Lirion, Lukas, Julius, Daniel, Rayan, Luke, Javen und noch ein paar andere.
Insgesamt waren es etwas weniger als 50 Leute, einige hatten sich noch aus dem Staub gemacht, als sie das Etwas gesehen hatten, was sich da langsam durch die Decke zu uns hinunterbohrte.
Lirion hatte schon alle möglichen Zauber ausprobiert, doch das schwarze Metall der Spitze absorbierte einfach alles.
Und dann brach dieses dunkle Etwas durch.
Steine, riesige Steine fielen von der Decke.
Daniel wurde von einem getroffen und stürzte taumelnd vom Brunnen. Julius hinterher, aber ich glaube, der wollte ihm nur helfen.
Ich drückte Lukas Hand ein letztes Mal und sprang in die Luft.
Lirion tat es mir nach und so flogen wir zusammen nach oben in Richtung Loch.
Dunkle Gestalten sprangen uns entgegen.
Der Ersten wich ich aus, dem nächsten rammte ich eine Hand voller grüner Energie ins Gesicht. Die Dritte erwischte mich mit ihrer Faust am Kinn, ich wurde herumgeschleudert, fing mich aber wieder und trat ihr voll gegen den Brustkorb, so dass sie nach hinten flog und gleich 3 andere mit sich mitriss.
Tja, kommt davon, wenn man sich mit mir anlegt!
Faustschläge, Tritte. Zauber und Flüche. Schreie. Abstürzende Gestalten.
So sah meine nächste halbe Stunde aus.
Als ich dann nach unten schaute, erblickte ich ein wahres Schlachtfeld.
Unsere Leute waren inzwischen auf ungeführ 20 dezimiert, während aus dem Loch in der Decke immer weitere Vampire strömten.
Daniel stand schon wieder und kämpfte, genauso wie Lukas, Julius und Rayan. Luke hatte eine ordentliche Beule, machte aber tapfer weiter, während Javen sich in die Mitte zum Brunnen geschleppt hatte und sich eine blutende Brustwunde hielt.
Ich schwebte zu ihm hinunter und presste meine Hand auf sein rot gefärbtes Hemd.
Erschrocken sah er zu mir auf.
Die Wunde schloss sich.
"Danke ..:", hauchte Javen.
Ich nickte.
Da hörte ich von der Seite Julius' Schrei: "Elea, pass auf!"
Ich fuhr herum und wurde im selben Moment von einem Stein gerammt.
Ich flog quer durch den Raum und knallte gegen eine Wand.
Wusste nicht mehr, wo oben und unten ist. Mein Körper war ein einziger Schmerz.
Benommen richtete mich auf. Vor mir landete ein Vampir, wurde aber von Lukas zur Seite gestoßen. Vorsichtig half mein Freund mir auf. Ich lächelte selig. Ich weiß auch nicht, warum. Wahrscheinlich eine Folge des Kopfstoßes.
Der Vampir griff Lukas an.
Mein Freund ließ mich los und ich fiel taumelnd gegen die Wand.
Da kam er.
Der Vampirfürst.
Es war, als ob es nie wieder Glück in dieser Welt geben würde, so düster erschien seine Aura. Sie war so dunkel, das es schmerzte.
Die Gegner trennten sich voneinander, die Kämpfe hörten auf.
Die Mitglieder des Magicons sammelten sich auf der einen Seite des Brunnens, die Vampire auf der anderen.
Lirion trat vor.
"Was willst du hier?", herrschte er den Fürsten an: "Das ist das Gebiet des Magicons! Nach dem alten Pakt ..."
"Der alte Pakt ist nicht erfüllt, also komme mir nicht mit so etwas!"
Erinnerungen. An diesen Mann. An diesen Vampir.
Ich fiel auf ein Knie, hielt mir den Kopf.
Lirion sah sich nach mir um.
"Du bekommst sie nicht!", fauchte er.
"Dann ist der Pakt nicht erfüllt.", der Fürst lachte: "Glaubt ihr mickrigen Menschen denn wirklich, das ihr euch uns widersetzen könnt? Die Vampire sind die nächste Evolutionsstufe! Wir waren immer dazu bestimmt, die Welt zu regieren, doch diese Einrichtung, die sich Magicon nennt, hat uns das verboten!"
"Es dient zum Wohl aller, Menschen wie Vampire!", rief Julius.
"Klappe! Ich spreche nicht mit niederen Angestellten.", der Fürst machte eine ausschweifende Handbewegung, ganz so als ob er eine lästige Mücke verscheuchen wollte und der Junge wurde gegen die Wand geschleudert und landete neben mir.
"Ich bin ... kein niederer Angestellter!", fauchte Julius. Blut floß aus seinem Mundwinkel, doch er richtete sich wieder auf. "Und du bist ... TOT!", schrie er, sprang in die Luft und ballte seine Hand zur Faust. Goldene Energie sammelte sich. Er öffnete die Hand und das Licht schoss auf den Fürst zu.
Der zuckte nicht einmal mit einer Augenbraue.
Nichts passierte.
Keuchend kam Julius neben Lirion auf.
Der Fürst lachte los. Schallend.
"Dachtet ihr wirklich, so etwas könnte mich aufhalten?" Und das ist nicht nur künstlerische Freiheit. Er hat das wirklich gernauso betont!!!
Ich hielt mir die Ohren zu. Ich hielt seine Stimme nicht aus! Diese süße kühle Stimme, die sich in meinen Kopf bohrte und nichts als Schmerz hinterließ. Die so viel versprach, aber nichts davon erfüllte ...
Der Fürst sprach weiter und ich hörte ihn noch immer.
Nein!
Hör auf!
Ich will das nicht!
Ich schrie auf.
Alle sahen sich nach mir um.
"Elea, was ist los?", besorgt dreht Lukas sich nach mir um.
"Bring sie her!", befahl der Vampir.
Wenn meinte er damit? Er richtete sich nicht gegen einen seiner Diener, sondern gegen ... gegen ... gegen ... gegen ...
"Es tut mir Leid.", murmelte Lukas.
Er griff mich am Arm.
"Es ist für das Magicon.", flüsterte er leise in mein Ohr, während er mich aufrichtete.
"Das Magicon liegt aber falsch!", fauchte ich und riss mich los.
Lukas wich zurück.
"Fürst!", rief ich und stellte mich auf den Brunnen.
"Hallo, Tochter von Aria.", er verneigte sich spöttisch: "Was verdanke ich die Ehre?"
"Ich verlange von dir, das du das Magicon auf der Stelle verlässt. Der Pakt, den ihr vor vielen Jahren mit den Vampiren schuft, ist über die Jahre wirkungslos geworden! Euch gehört hier nichts, weder ich noch sonst wer!"
"Solch gewichtigen Worte aus solch zarten Mund ...", der Fürst lächelte. Dann wurde er wieder ernst: "Ihr habt zwei Tage lang Zeit, um eure Verletzten zu versorgen und eure Entscheidung noch einmal zu überdenken! Denn wenn sie falsch ist ... wird übermorgen Abend kein Magicon mehr existieren!"
Damit verschwand er.
Ich schaute mich nach Lukas um, doch er war verschwunden.
Zitternd brach ich zusammen.
Das war zu viel!
Auf meinen Schultern lastete eine zu große Last!
"Hey ...", Daniel richtete mich auf: "Nimms nicht so schwer."
Ich lächelte gequält: "Natürlich. Es könnte sein, das übermorgen wegen mir das Magicon zerstört wird, aber sonst ist alles okay, nicht wahr?" Galgenhumor vom Allerfeinsten.
"Hör auf!", fauchte Julius: "Das ist verdammt noch mal nicht deine Schuld, also hör auf, dich in Selbstmitleid zu suhlen!" Er hustete und Blut spritzte auf den Boden.
"Wir versorgen jetzt erstmal die Verletzten und dann überlegen wir uns, was wir mit diesem Vampir machen, okay?", ohne eine Antwort abzuwarten, ging er zu einer Wand und begann den Bereich davor vom Geröll  freizuschaufeln.
Ich saß da wie betäubt.
Hör auf dich in Selbstmitleid zu suhlen.
Tat ich das wirklich? Konnte ich wirklich nichts dafür? Aber ... Nein!
Abrupt richtete ich mich auf, zuckte aber gleich vor Schmerz zusammen.
Ich musste mich zusammenreißen!
Langsam stand ich auf und half den anderen dabei, die Verletzten zu versorgen.
Stunden später saßen wir erschöpft an der Wand.
Auch meine Wunde war versorgt.
Lirion drückte mir eine Glasphiole in die Hand.
"Trink.", befahl er. Sanfter fügte er hinzu: "Dann wirds dir besser gehen!"
Ich nickte und leerte das kleine Gefäß in einem Schluck.
Die Welt um mich herum begann sich zu drehen...
Was war da drinne gewesen?, fragte ich mich benommen, Was hatte Lirion vor?
Dann wurde alles schwarz.

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