Dienstag, 5. Februar 2013

Büroarbeit Teil 1

Okay, ich muss sagen, das ich niemals daran geglaubt habe, das man als M-Agent auch langweilige Arbeiten verrichten kann.
"Magie! Wie kann das nur langweilig sein?", irgendwann hatte ich das mal wahrscheinlich gedacht. Wie naiv ich gewesen war! Heute hat Lirion sich wirklich nicht gnädig gezeigt und mir den langweiligsten Job von allen aufgezwungen.
Hallo? Ich bin ein M-Agent! Ich will der Welt von Nutzen sein!
Tja, heute habe ich herausgefunden, das man der Welt auch helfen kann, wenn man nicht gegen Bösewichte kämpft, sondern irgendwelche Büroarbeit verrichtet.
Aber noch mal von vorne:
Mein Partner Julius ist ja noch relativ neu, zumindest im Bezirk Mitteldeutschland, der ja als einer der gefährlichsten weltweit gilt. Nicht, weil wir Deutschen so schlimm sind, sondern weil es hier relativ viele alte Städte gibt und dort sich im Laufe der Zeit die dunklen Dämonen der alten Hexen ansiedeln konnten. Angefüllt mit Hass auf die Menschen, die ehemals Jagd auf ihre Gebieter gemacht haben, streuen sie nun Missgunst zwischen den besten Freunden, den engsten Familienmitgliedern.
Aber ich schweife vom Thema ab.
Auf jeden Fall blinkte mir heute, als ich mein Handy anschaltete, eine lustige kleine SMS entgegen. Kann ja nichts schlimmes sein, dachte ich und öffnete sie unbekümmert. Ha! Falsch gedacht!
"Heute Büro für dich. Julius noch nicht bereit für Straße. Sehen uns im Zentrum"
Zenrum steht dabei für das Magicon, unsere Zentrale.
Tja, das wars wohl mit den Plänen, Julius die Straße und ein paar meiner zwielichtigen Freunde zu zeigen.
Aber in dem Moment wusste ich noch nicht, wie schlimm es werden würde.
Ich glaube ja, das Lirion dies extra machte, um mich zu ärgern. Er weiß, wie sehr ich Schreibtischarbeit hasse. Ehrlich! Ich kann nicht mal im Unterricht ordentlich still sitzen, aber da schlafe ich ja meistens.
Nun ja, ich ging eben in der Hofpause zu meinem Partner und teilte ihm die Neuigkeit mit. Er nahm das mit einer seltsamen Gelassenheit entgegen. War es ihm etwa egal? Doch als ich mich umdrehte, sah ich in den Augenwinkel, wie er genervt mit den Augen rollte. Tja Julius, Büroarbeit für uns heute -.-
Okay, nach der Schule flitzte ich noch mal schnell zum Laden gegenüber und holte mir ein paar Kaugummis und neues Duschgel. Keine Ahnung, wie das passiert, aber irgendwie ist es immer sehr schnell aufgebraucht, wenn ich auf die Jagd gehe. Liegt vielleicht an dem vielen Blut ...
Als ich zurückkam, stand Julius schon im Foyer. Lässig lehnte er an einer der Säulen. Manchmal wünsche ich mir, das Lukas genauso cool sein könnte.
Wir nahmen die Straßenbahn ins Stadtzentrum. Es gab nicht viele Plätze, deswegen standen einige Leute zwischen mir und meinem Partner und ich konnte mich nicht über unseren heutigen Job auslassen.
Im Zentrum gingen wir relativ zügig zu einem kleinen Laden, der sich schäbig zwischen zwei renovierte Häuser quetsche. Ohne anzuklopfen betrat ich das Gebäude und klingelte ungehalten an der Kundenglocke.
Einige Zeit später kam dann der Ladenbesitzer gemächlich angewatschelt.
Als er mich sah, zuckte er erschrocken zusammen und beeilte sich, die Geheimtür im Hinterzimmer zu öffnen. "Danke.", murmelte Julius im Vorbeigehen, doch ich blieb stumm. Keine Lust auf irgendwelchen Smalltalk. Ich zog meinen Partner weiter, bevor der ein Gespräch anfangen konnte.
Die Büroarbeit war noch schlimmer, als ich mir vorgestellt hatte.
In dem Raum, in den mich Lirion führte, stapelten sich die Ordner bis an die Decke. Ich schluckte. Mein Chef lächelte schadenfroh und meinte: "Ordnet das bitte nach dem Alphabet und nach dem Alter, ja?"
Meine Stimme war verschwunden beim Anblick dieser ... Akten. "Okay.", antwortete Julius für mich.
Lirion verließ das Zimmer und ich setzte mich auf den Boden.
"Anna, was ist los? Wir haben doch eine Aufgabe!", verwirrt hockte Julius sich neben mich hin.
"Also erstmal nennst du mich bitte Elea, wenn wir im Magicon sind, ja? Die Wände haben Ohren, vor allem hier, am Zentrum der Magie.", ich stemmte mich langsam hoch: "Und außerdem habe ich keine Lust, so was zu ordnen! Das soll Lirion gefälligst alleine machen!"
Irgendwie könnte ich Julius für seinen Blick manchmal umbringen. Er schaut mich dann einfach so ... an. Mit einer Mischung aus Trauer, Respekt und Vorwurf. Fragt mich bitte nicht, wie er das hinkriegt. Auf jeden Fall kann ich mich diesem Blick nicht widersetzen.
Tja, mit der Hilfe meines Partners schaffte ich es doch tatsächlich, aufzustehen.
Im Laufe des Nachmittags ordneten wir diese blöden Akten. Nach Alphabet und Alter, wie es sich gehört -.-
Als ich abends um 10 nach Hause kam, konnte ich kein Papier mehr sehen.
Meine Mutter machte mal kein Theater, aber vielleicht lag es daran, das Lirion ausnahmsweise daran gedacht hatte, einen Klon einzusetzen. Ich kletterte durch das Fenster in mein Zimmer und sobald ich sicher drinne war, löste sich meine Kopie in Luft auf.
Todmüde und ohne einen Blick in meinen Ranzen fiel ich abends ins Bett.
Kurz vor dem Einschlafen schwor ich mir, das Ganze Lirion mit gleicher Münze zurückzuzahlen! 

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